STRESS

Eine „Erfindung“?

Seit den 70er-Jahren ist Stress ein Schlagwort und in der Zwischenzeit vielleicht eines der am häufigsten gebrauchten Alltagswörter. Stress beschreibt eine natürliche und evolutionär bedingte Reaktion auf Bedrohungssituationen. Um der Gefahr zu entkommen schüttet der menschliche Körper Stress Hormone aus.

Diese erhöhen die Leistungsfähigkeit kurzfristig um durch Kampf oder Flucht reagieren zu können. In unserer Gesellschaft stellen Kampf oder Flucht wohl noch kaum adäquate Verhaltensformen dar. Dem heutigen Menschen fehlt es jedoch an einem Ventil zur Lösung der Anspannungen. Die Krankmacher verbleiben daher im Körper und es kommt zu permanenter Anspannung.

In unseren Breiten spricht man bei 63% von einem geringen Burnout-Risiko und bei 22% schon von einer beginnenden Burnout-Situation. Allein der Anteil der Personen, die aufgrund seelischer Leiden frühzeitig in Rente gingen, stieg in den letzten 22 Jahren von 18,6 auf 43 Prozent. Es stellt sich die Frage, wie konnte sich ein vermeintlich so „erfolgreiches Konzept“ entwickeln?

Stress und das Stresskonzept
Wurde ursprünglich in der Materialprüfung verwendet und bedeutete Verbiegung und Verspannung. Der Begriff führte dann in die Biologie und man meinte zu dieser Zeit etwas ganz Ähnliches: Eine körperliche Anpassungsreaktion auf Störfaktoren den „Stressoren“.

Diese haben nach Selye ein einheitliches Reaktionsmuster und haben folgenden Ablauf: Alarmreaktion, Widerstandsphase und Erschöpfung. Dieses Modell hat nach wie vor Gültigkeit, beschreibt jedoch nur physiologische Prozesse. Die besagte Theorie berücksichtigt noch keine
psychischen Prozesse, dient aber als Grundlage zur Konzeption entsprechend möglicher Stress Bewältigungs-Programme. Der Stress war geboren.

Psychologische Stress Reaktion
Dazu wird ein „Stimulus“ – ein Reiz von der Umwelt aufgenommen. Dabei bewertet der Mensch die aufgenommenen Reize und es kommt zu einer
Bewertung sowie zu unterschiedlichen Stress Reaktionen und Bewältigungsformen.

Die wahrgenommenen Geschehnisse werden daraufhin überprüft, ob sie für das persönliche Wohlbefinden bedeut Save sam und relevant sind. Ist das Ergebnis der eigenen Einschätzung stressrelevant, wird beurteilt, ob die
verfügbaren Ressourcen ausreichen, um das Problem zu bewältigen. Es hängt von der individuellen Bewältigungsfähigkeit und dem Bewältigungsvermögen ab
ob das Problem herausfordernd oder bedrohlich ist. Man darf jedoch anmerken, dass alltäglich anhaltente Ereignisse gesundheitsrelevanter sind als kritische Lebensereignisse. Die Stress Reaktion ist immer eine Antwort auf belastende
Situationen.

Organisation von Gefühl und Bewusstheitszuständen …
Unser Körper ist die Bühne unserer Gefühle und diese lassen sich im Alltag kaum verbergen.

Unsere Gestimmtheit teilt sich über unseren Körper mit und über jede verbale- aber auch nonverbale Begegnung breitet sich eine
zwischenmenschliche Stimmung aus. Je nach Zustand kreisen Denkinhalte um ein Thema und unsere Umgebung wird dadurch geprägt, ob wir diese durch
einen „rosa“ Brille oder durch eine „schwarze“ Brille wahrnehmen.

Diese Einfärbung verleiht unserem Denken eine Richtung, Bedeutung und einen Sinn. Überforderungssymptome stehen dabei immer in engen Zusammenhang mit körperlichen und psychischen Vorgängen im sozialen Verhalten. Stress erhält die Aufmerksamkeit, dessen Bedeutung wir einem Problem geben. Einfach gesagt, schwer in der jeweiligen Situation zu beherrschen.